Editorial 3/2009
Trotz der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung, der Fortentwicklung des elektronischen Publizierens und des Aufbaus virtueller Forschungsumgebungen – betrachtet werden diese Themen im Beitrag von Ute Rusnak (FIZ Karlsruhe) – erlebt der Bibliotheksbau eine so nicht erwartete Renaissance. So ist es auch kein Wunder, dass in dem jetzt vorliegenden Heft in drei Beiträgen dieses Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln abgehandelt wird. Die vorherrschende Tendenz geht heute dahin, die Bibliothek nicht mehr als Ort des Sammelns und Bewahrens mit angeschlossener Benutzungsabteilung, sondern primär als Lernort und sozialen Treffpunkt zu verstehen, der es gleichzeitig erlaubt, auf ein hybrides Medienangebot zuzugreifen. Dass aus diesem Wandel sehr unterschiedliche Schlüsse gezogen werden können, ist dem Aufsatz von Gabriele Dreis zumindest indirekt zu entnehmen, wenn sie auf einen Vortrag des Kanzlers der Universität Dortmund eingeht. Hier wird deutlich, dass Hochschulbibliotheken sich nicht nur transformieren müssen, sondern dabei zusätzlich in der Pflicht stehen, ihre Existenz immer auf’s Neue zu legitimieren.
Diese Tendenz, jetzt vielleicht noch die Ausnahme, wird sich verstärkt breit machen, wenn es im Streit um das hinreichend bekannte Google Book Settlement zu einer für Google positiven Entscheidung kommen könnte. Erwartet wird ein Ergebnis der juristischen Auseinandersetzung praktisch fast zeitgleich mit dem Erscheinen dieses Heftes.
Google wäre auf mittlere Sicht in der Lage, die von Jorge Luis Borges bereits vor Jahrzehnten als geistigen Entwurf – man könnte auch sagen als Traum – konzipierte „Bibliothek von Babel“ in die Realität umzusetzen. Allerdings hat Borges in diesem Kontext auch den Satz „nur was wir verloren haben, gehört uns“ geprägt; einen Satz, der gerade im Zusammenhang mit dem sozusagen parallel zu allen Digitalisierungsanstrengungen erkennbaren Verfall des Urheberrechts eine geradezu prophetische Bedeutung erlangt.
Sicherlich wird das Urteil des New Yorker Richters, der nun die Entstehung der Weltbibliothek mit einem juristischen Rahmen ausfüllen soll, ein Hauptgesprächspunkt auch der vor uns liegenden Frankfurter Buchmesse sein. Mit welchem Tenor, ist jedoch im Vorhinein nicht zu prognostizieren. Digitale Welt und aus dem analogen Universum der Bücher stammende Urheberrechtsregelungen scheinen sich immer weniger zur Deckung bringen zu lassen. Jüngstes Beispiel ist der Streit um die Auslegung des Paragraphen 52b des deutschen Urheberrechtsgesetzes; ausgetragen zwischen der Technischen Universität Darmstadt und dem Ulmer Verlag. Er geht, nachdem ein erstinstanzliches Urteil ja im Juni vorgelegt wurde, nun in die nächste Runde. Ob dann, wenn das OLG Frankfurt geurteilt hat, mehr Klarheit herrscht, darf zumindest bezweifelt werden.
ABI Technik abonnieren
Möchten Sie die Zeitschrift mit einem Probeheft oder im Mini-Abo kennenlernen? Oder möchten Sie die Zeitschrift verschenken?
Aktuelle Fachbeiträge
Aktuelles:
-->VD16, VD17, VD18: Diversität und Integration
Die Verzeichnisse der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts...
Publikationsmanagement - eine wichtige zukünftige Aufgabe an Hochschulen
Wie sind Forschungsbericht, Institutional Repository und die Interessen des wissenschaftlichen...
Literaturverwaltungsprogramme – Das funktionale Minimum
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit bibliografischer Daten wird auch die Verwendung von...
HeBIS-Profildienst: Innovation im Erwerbungsgeschäftsgang:
Ein lieferantenunabhängiger Profildienst mit Bestellfunktion
15. Seminar der LIBER Architecture Group
Die Nationalbibliothek in Madrid war die diesjährige gastgebende Institution für das 15. Seminar...
Burkhard P. Bierschenck wird 60 - Herzlichen Glückwunsch!
Burkhard P. Bierschenck, geschäftsführender Gesellschafter des Verlages Neuer Merkur GmbH und...
Editorial 1/2010
Wenn man wollte, könnte man das „Bibliotheksjahr“ 2010 als das Jahr der Evaluierungen bezeichnen....
Elektronische Geschäftsgänge und Digitale Bibliothek
Bericht über die Konferenz an der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle/Saale...
Editorial 4/2009
Auch in diesem Heft spielt der Bibliotheksbau wiederum eine zentrale Rolle. Mit dem Jacob und...
Von traditioneller wissenschaftlicher Kommunikation zu „Science 2.0“
Eine empirische Untersuchung der Nutzung von Social Software in der universitären Forschung
ERaTo – Vom Papierformular zum multifunktionalen Bestelltool
ERaTo ist eine Software-Eigenentwicklung des an der Bayerischen Staatsbibliothek angesiedelten...
Von der edlen Zweckmäßigkeit und dem schönen Ebenmaß
Das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin.
Editorial 3/2009
Trotz der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung, der Fortentwicklung des elektronischen...
E-Books an der Universität Frankfurt: „Ich wünsche mir mehr E-Books“ – „Kauft richtige Bücher!
Ergebnisse einer Umfrage im Frühjahr 2009
„Architektur des Wissens“ – Bibliotheken planen und bauen. Vision. Praxis. Referenz.
Bericht über das Kolloquium an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, 12. Mai 2009
Kulturhistorische Rahmenbedingungen des Bibliotheksbaus
Gibt es eine Architektur für Bits und Bytes? Gibt es überhistorische Konstanten des...
Wissenschaft digital: Von elektronischen Publikationen zu virtuellen Forschungsumgebungen
Bericht über die eSciDoc Days 2009 am 15. und 16. Juni 2009 im FIZ Karlsruhe.

